Archiv für Januar 2008

Über 400 AntifaschistInnen auf Spontandemo nach rassistichen Übergriff

Unter dem Motto „Das Problem heisst Rassismus“ haben am Mittwochabend mehr als 400 Menschen lautstark und kraftvoll in der Kölner Innenstadt demonstriert. Anlass war ein rassistischer Übergriff im Kölner Studentenviertel am vergangen Wochenende.

Nach der Auftaktkundgebung am Zülpicher Platz, führte die Demo über Zülpicherstraße und Kyffhäuserstraße in die Hohenstadenstraße wo am Wochenende ein 22jähriger als „Neger“ beschimpft und kurz darauf von mehreren Angreifern getreten und geschlagen wurde. Mit der Demonstration sollte ein deutliches Zeichen gegen die rassistischen Alltagszustände in der Bundesrepublik gesetzt werden. „Rassismus ist nicht nur in Ostdeutschland ein alltägliches Problem für Menschen mit Migrationshintergrund. Die rassistischen Ausländergesetze schließen viele MigrantInnen von der Partizipation in der Gesellschaft aus und sperren so genannte Illegale in unmenschlichen Abschiebegefängnissen ein. Eine gesellschaftliche rassistische Grundstimmung gegen „Ausländer“ manifestiert sich neben Müngeln auch in Kochs Wahlkampfhetze gegen junge MigantInnen“ sagte eine Antifa-Aktivistin am gestrigen Abend. „Ob es sich bei den Tätern vom Samstag um organisierte Neonazis oder um andere Rassisten handele ist dabei erstmal zweitrangig, der Angriff war eindeutig rassistisch motiviert. Erschreckend ist es außerdem wie in den Berichten der Kölner Medien das Opfer nach und nach zum Mittäter gemacht werde.“

Auf der Auftaktkundgebung wurde ein kurzer Redebeitrag zu den rassistischen Übergriff und den Umgang der Kölner Medienlandschaft mit diesen sowie über den alltäglichen Rassismus in der BRD gehalten. Die Demonstration zog zunächst über die Zülpicher Str., wo die Burschenschaft Ascania sich so sehr für die Demonstration interessiert, dass gleich eine Videokamera aus dem Burschenhaus auf die DemoteilnehmerInnen gerichtet wurde. Die Demo bog dann in die Kyffhäuser Str ein, wo eine kurze Zwischenkundgebung abgehalten wurde. Ein Redebeitrag über Rassismus im studentischen Alltag wurde verlesen. Danach zog die Demo über die Ringe Richtung Ehrenstraße, kurz nachdem man den Rudolfplatz passiert hatte, zeigte ein Rentner am Rande des Aufzuges mehrmals den Hitlergruß und wurde daraufhin von mehreren TeilnehmerInnen zur Rede gestellt. Nachdem die Polizei die Personalien des Mannes aufgenommen hatte, wurde eine Anzeige eingeleitet. Die Demo zog anschließend weiter zum Büro des Rechtsanwalts Jürgen Clouth in der St. Apernstraße. Clouth, der aus einer bekannten Kölner Unternehmerfamilie stammt, ist bei der extrem Rechten „Bürgerbewegung pro NRW“ seit kurzen für den „Arbeitskreis Mittelstand“ verantwortlich. Vor seiner Kanzlei stoppte die Demo dann noch mal für eine kurze Zwischenkundgebung, nachdem einzelne Böller und Raketen auf den Besuch aufmerksam gemacht hatten, wurde ein Redebeitrag zu „pro Köln/NRW“ verlesen und dazu aufgerufen auch im Alltag „pro Köln“ und anderen Rassisten entschiedener entgegen zutreten und auch alltägliche Ausgrenzungspraktiken gegen MigrantInnen nicht einfach hinzunehmen. Danach ging es weiter zum Friesenplatz, wo die Demo wie geplant aufgelöst wurde. Für die zwei Tage Mobilisierung war es eine gelungene und kraftvolle Demonstration.

Rassistischer Übergriff in Köln

In der Nacht von Freitag auf Samstag kam es mitten auf der „alternativen Partymeile“ von Köln zu einem rassistischen Übergriff. Laut Polizei- und Presseangaben wurde ein 22-Jähriger Mann mit dunkler Hautfarbe aus einer Gruppe von sechs bis sieben „Skinheads“ zunächst als „Neger“ beschimpft. Als dieser auf die Gruppe zuging und fragte, wer das gesagt habe, schlugen und traten die Täter auf das Opfer ein, auch seine Freundin wurde bei dem Vorfall verletzt.

In der Pressemeldung der Kölner Polizei heisst es dazu:
„Der aus Afrika stammende Mann war mit seiner Freundin (21) um 03.30 Uhr zu Fuß auf der Neustadt-Süd unterwegs, als er auf der Hochstadenstraße aus einer Männergruppe heraus als „Neger“ beschimpft wurde. Auf eine Reaktion des 22-Jährigen hatte man offensichtlich spekuliert. Als dieser auf die vermeintlichen Tatverdächtigen zuging und fragte, wer das gesagt habe, schlugen und traten die zunächst Unbekannten auf ihn ein. Auch die Freundin des 22-Jährigen, die ihm zur Hilfe eilte, wurde durch Schläge ins Gesicht verletzt. Ein Zeuge des Vorfalls, der dem jungen Mann ebenfalls helfen wollte, wurde durch einen der Schläger von seinem Vorhaben abgehalten. Alarmierte Polizisten konnten zwei aus Köln stammende Tatverdächtige noch an Ort und Stelle antreffen. Gegen sie wird nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und der Beleidigung ermittelt.“