NSHC ausschalten!

LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, #37 Schwerpunkt: National Socialist Hardcore
Category: news, feature news
Anfang Dezember erscheint die 37. Ausgabe der antifaschistischen Zeitschrift LOTTA mit einem Schwerpunktthema, das gerade auch für die Punk- und Hardcore-Szene von Interesse sein dürfte: Wir befassen uns ausführlich mit dem „National Socialist Hardcore“, der Neonazi-Adaption des Hardcore, die immer mehr Einfluss in der rechten Szene gewinnt.

Lauter, schneller, härter

Hardcore, Hatecore und National-Socialist-Hardcore



Ende der 1970er Jahre brachte der aus dem Punk entstandene RechtsRock in Verbindung mit der Skinhead-Kultur junge Menschen stärker als zuvor mit extrem rechter Ideologie in Berührung. Diese jugendkulturelle Neuerung sorgte dafür, dass die extreme Rechte und vor allem der Neonazismus nicht eine Bewegung vor allem alter Männer wurden, sondern neue Dynamik und neue Attraktivität entwickelten. Fast 20 Jahre lang waren dann Bomberjacken und Glatzen die Erkennungsmerkmale der neonazistischen Jugendkultur. Diese wandelt sich jedoch seit einigen Jahren erneut – sowohl auf der musikalischen als auch auf der ästhetischen Ebene. Die Neonazis entdeckten den Hardcore.



Begann die Entwicklung des RechtsRock in England, so hatte der rechte Hardcore (HC) seinen Ausgangspunkt in den USA. Hier orientierten sich seit Beginn der 1990er Jahre Bands wie Max Resist, die Blue Eyed Devils oder Aggravated Assault am Hardcore-Style, einer lauteren, schnelleren und härteren Variation des Punk. Vor allem die Dynamik, die musikalische Härte und die zur Schau gestellte Maskulinität des Hardcore waren die Anknüpfungspunkte, die die extreme Rechte faszinierten. Während der Mode-Stil der Hardcore-Szene – Basecaps, Kapuzenpullover, Bärte, Piercings – übernommen wurde, distanzierte man sich von den Texten der ursprünglichen HC-Szene, in denen sich oftmals Unzufriedenheit und Wut über gesellschaftliche Zustände ausdrückten – eine Kritik, die in weiten Teilen links und fortschrittlich war. Später übernahmen einzelne Bands des neonazistischen Hardcore dann auch inhaltliche Versatzstücke, etwa antikapitalistische Elemente, den Straight-Edge-Gedanken oder die Propagierung veganer Ernährungsweise, und integrierten sie in ihr extrem rechtes Weltbild.



Ab 1997 tourten extrem rechte Hardcore-Bands aus den USA auch durch Deutschland. Waren diese Bands und ihr Stil zuvor nur wenigen Anhängern hierzulande bekannt, wurden sie nun schnell zu den Stars der deutschen Szene. Deutsche Bands wie Hate Society aus Bamberg, SEK aus Wernigerode oder Might of Rage aus Chemnitz begannen, sie zu kopieren. Nach der Jahrtausendwende wurde neonazistischer Hardcore immer populärer. Während sich die ersten CDs schon aufgrund ihrer Cover eindeutig dem Neonazismus zuordnen ließen, wurde die Bildsprache mit der Zeit subtiler und orientierte sich zunehmend an den Symboliken des nicht-rechten Hardcore.
Dies macht den extrem rechten Hardcore einerseits anschlussfähiger; andererseits verlor er dadurch seine politische Eindeutigkeit. Die deutschen Bands kreierten daraufhin den Begriff des „National Socialist Hardcore“, kurz: NSHC. NSHC entwickelt sich in der extrem rechten Szene immer mehr zum Modephänomen.



Die Artikel:

- Die Entwicklung des Hardcore und das Aufkommen neonazistischer ProtagonistInnen dieser Musik beschreibt Ingo Taler in seinem Beitrag „National Socialist Hardcore. Zwischen Mythos und Selbstverständnis“.

- Am Beispiel Straight Edge zeigt Ingo Taler auf, wie und inwieweit sich Neonazis jugendkulturelle Themen aneignen.

- Accessoires und Kleidungsstil des Hardcore hielten Einzug in die RechtsRock-Szene und modernisierten deren Erscheinungsbild. Jan Raabe führt aus, wie diese kulturelle Öffnung in ästhetischer Hinsicht die Herausbildung der „Autonomen Nationalisten“ mit beeinflusste.

- Welche Gegenstrategien die linke bzw. nicht-rechte Hardcore-Szene dieser Entwicklung entgegensetzen kann, fragte Rainer Brahms die Mitglieder der Kölner Konzertgruppe „Hit & Run“.



Und außerhalb des Schwerpunktes??



Außerhalb des Schwerpunktes gibt es wie immer ein 60seitiges, gut recherchiertes Antifa-Magazin, in dem nicht nur über die extreme Rechte geschrieben wird. In der Rubrik „Geschichte“ lest ihr diesmal den 10. Teil der Reihe „NS-Gedenkstätten in NRW“, in „Anti-Rassismus“ führten wir ein Interview zu den drohenden Abschiebungen von Roma in das Kosovo. Wir berichten außerdem über Versuche des Verfassungsschutzes, mittels des Extremismus-Konstruktes gegen antifaschistische Projekte vorzugehen und erklären, was es mit der vermeintlichen Israel-Solidarität von rassistischen Gruppen wie Pro NRW oder dem Internetprojekt „Political Incorrect“ auf sich hat. Dann gibt es natürlich noch Kurzberichte, RechtsRock- und Aufmarsch-Splitter sowie Rezensionen.


LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW

Am Förderturm 27

46049 Oberhausen