It´s still more than music…

Einiges läuft in letzter Zeit schief auf dem Planeten Punk/Hardcore. Zwar finden sich dort immer noch viele Menschen, für die das Ganze mehr ist als der Konsum von Musik, aber es gibt leider auch einen unübersehbaren Trend hin zur völligen Entpolitisierung bzw. zur Abwendung von emanzipatorischen Inhalten.

Breite Teile der „Szene“ definieren sich heute fast ausschließlich durch ihren Konsum. Verstärkt wird diese Entwicklung beispielsweise hier in Köln auch dadurch, dass die Mehrzahl der Konzerte in reinen Kommerzschuppen stattfinden. Punk/Hardcore ist dadurch als Ware mehr oder weniger politikfrei konsumierbar. Eine starke und große Überschneidung zwischen der Musik- und der Politszene, wie sie noch vor einigen Jahren total üblich war, wird immer seltener. Shows werden zur Modenschau und Messageboards zur identitätstiftenden Scheinwelt. Politische Inhalte oder gegenkulturelle Ansätze werden verdrängt. So entsteht vielerorts eine Szene, die sich gerade nicht mehr als wichtigen Teil einer politischen Bewegung definiert. Stumpfe Konsumhaltung und schwindendes linkes Bewusstsein führen letztendlich dazu, dass sogar rechte Unterwanderungsversuche von der Mehrheit schweigend hingenommen werden.

Diese Entwicklung kotzt uns an, denn für uns war und ist Punk/Hardcore eine politische Angelegenheit und stark mit dem DIY-Gedanken verbunden. Wir haben daher die Veranstaltungsgruppe „Hit & Run“ gegründet, um in Köln auf nicht-kommerzieller Basis Konzerte und andere Veranstaltungen zu organisieren. Zum einen wollen wir dadurch erwirtschaftete Überschüsse in uns sympathische (!) politische Projekte investieren und zum anderen durch unsere Aktivitäten am Erhalt einer aktiven Gegenkultur mitwirken. Wir halten es für absolut notwendig, eine politische Idee nicht nur durch trockene Flugblätter, Absichtserklärungen oder gelegentliche Demos zu präsentieren, sondern gerade auch durch ein bestimmtes kulturelles „Alltagsumfeld“, welches das Sammeln von konkreten Erfahrungen ermöglicht.

Selbstverständlich ist, dass die Bands oder DJs, mit denen wir zusammenarbeiten, weder diskriminierend noch reaktionär sind. Rassisten, Sexisten oder vergleichbares Gesocks werden wir auf unseren Veranstaltungen weder auf noch vor der Bühne dulden!

HIT & RUN (im August 2006)